Bernstein, Aaron
,
Naturwissenschaftliche Volksbücher, Bd. 1/5
,
1897
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Annahme
bequemt
,
die
man
nicht
beweiſen
kann
,
ſondern
die
eine
notwendige
Vorausſetzung
,
eine
ſogenannte
“Hypotheſe”
iſt
.
Jener
Stoff
muß
ganz
ſonderbare
Eigenſchaften
haben
,
er
muß
überall
vorhanden
ſein
,
aber
doch
ſo
unendlich
fein
,
daß
er
die
zahlloſen
Himmelskörper
,
welche
ſich
fortwährend
mit
ungeheurer
Geſchwindigkeit
in
ihm
fortbewegen
,
nicht
im
geringſten
aufhält
.
Man
hat
ihm
einen
Namen
gegeben
,
trotz-
dem
ihn
niemals
ein
Menſch
geſehen
hat
oder
je
ſehen
wird
:
er
heißt
der
Äther
.
Dieſer
Äther
alſo
ſoll
den
ganzenWeltenraum
erfüllen
,
und
ſeine
Wellenbewegungen
ſollen
es
ſein
,
die
wir
als
Licht
wahrnehmen
.
Dieſe
Annahme
iſt
zwar
kühn
und
ſeltſam
,
aber
wenn
man
ſie
einmal
gemacht
hat
,
iſt
man
imſtande
,
alle
Licht-
(
optiſchen
)
Erſcheinungen
zu
er-
klären
.
Beruht
nun
aber
wirklich
das
Licht
nur
auf
Wellen-
ſchwingungen
des
Äthers
,
ſo
iſt
klar
,
da
wir
auch
auf
der
Erdoberfläche
das
Licht
wahrnehmen
,
daß
der
Äther
auch
unſere
ganze
Atmoſphäre
erfüllt
und
daß
er
,
wie
das
Waſſer
ins
Löſchpapier
,
eindringt
in
alle
noch
ſo
feinen
Poren
.
Da
der
Äther
nun
ein
ſo
viel
,
viel
leichterer
und
feinerer
Stoff
iſt
als
die
Luft
,
ſo
werden
wir
erwarten
können
,
daß
die
in
ihm
ſtattfindenden Wellenbewegungen
ebenfalls
viel
winziger
und
zierlicher
ſind
als
diejenigen
der
Luft
,
ferner
aber
auch
,
daß
ſich
die
Erſchütterungen
des
Äthers
ſehr
ſchnell
fortpflanzen
.
Und
ſo
iſt
es
auch
:
die
Geſchwindigkeit
des
Lichtes
übertrifft
die
des
Schalles
faſt
um
das
Millionenfache,
in
einer
Sekunde
vermag
ein
Lichtſtrahl 300 000 km
zurück-
zulegen
,
eine
Strecke
,
welche
das
7
fache
des
Erdäquators
oder
etwa
das
350
fache
der
großen
Strecke
Berlin-München
beträgt
.
Dabei
ſind
die
Längen
der
einzelnen
Wellen
viel
kleiner
als
Der in den Apotheken käufliche Äther iſt ein ganz anderer Stoff,
der nur zufällig denſelben Namen erhalten hat.
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