Bernstein, Aaron, Naturwissenschaftliche Volksbücher, Bd. 12-16, 1897

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752128 Jupiter nämlich dreht ſich derart um ſeine Axe, daß Tag und
Nacht faſt auf jedem Punkte der Jupiterskugel ſtets gleiche
Längen ſind.
Man kennt alſo auf Jupiter gar nicht den
Wechſel der Jahreszeiten, hat alſo wenig Veranlaſſung, nach
dem Lauf um die Sonne zu fragen, und wird die Zeit deshalb
weit bequemer nach den Umläufen der Monde einteilen, die
merkwürdig genug, ſich vortrefflich dazu eignen, ſowohl kleinere
wie mittlere und größere Zeitabſchnitte nach ihnen abzugrenzen.
Auf einem Planeten, wo, wie auf Jupiter, nicht Sommer
und Winter, Frühling und Herbſt mit einander abwechſeln, da
bedient man ſich ſchwerlich eines Kalenders fürs Sonnenjahr,
ſondern teilt die Lebenszeit nach andern, näher ſichtbaren und
überſehbaren Naturerſcheinungen ein, und hierzu ſind die vier
Monde und deren Verfinſterungen merkwürdig gut geeignet.
Auf Jupiter alſo giebt es keinen Wechſel der Jahreszeiten.
Auf dem Äquator herrſcht ewiger, ununterbrochener Sommer,
nach den Polen hin wird es regelmäßig kälter.
Der Tag iſt
faſt gleichmäßig durch das ganze Jahr 4 Stunden 57 Minuten
lang, eben ſo lang iſt die Nacht zu allen Zeiten.
Die dichte
Luftſchicht, die Jupiter umgiebt, verlängert jedoch die Morgen-
und Abend-Dämmerung namentlich in den Polgegenden, und
es iſt auf denſelben eigentlich gar kein nächtliches Dunkel.
Rechnen wir hierzu, daß die Bewohner der Äquator-Gegend
faſt ununterbrochenen Mondſchein haben, ſo dürfen wir nicht
erwarten, daß die Jupiters-Menſchen gute Aſtronomen ſein
werden, denn Mondſchein und Dämmerlicht laſſen eine genaue
Betrachtung des Himmels und der Geſtirne nicht zu.
Auf Jupiter erſcheint die Sonne über fünfmal kleiner als
bei uns;
das Licht der Sonne wirkt daſelbſt an 27 mal ſchwächer,
und auch die Wärme der Sonnenſtrahlen muß in demſelben
Maße abnehmen.
Die Jupiters-Weſen würden daher wahr-
ſcheinlich Katzen-Augen haben, wenn ſie im ſchwachen Sonnen-
licht ſo gut ſehen ſollen, wie wir im bedeutend hellern;

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