Cardano, Geronimo, Offenbarung der Natur und natürlicher dingen auch mancherley subtiler würckungen

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381 cccxxv
382 cccxxvi
383 cccxxvij
384 cccxxxviij
385 cccxxix
386 cccxxx
387 cccxxxi
388 cccxxxij
389 cccxxxiij
390 cccxxxiiij
391 cccxxxv
392 cccxxxvi
393 cccxxxvij
394 cccxxxviij
395 cccxxxix
396 cccxl
397 cccxli
398 cccxlij
399 ccclxiij
400 cccxliiij
401 cccxlv
402 cccxlvi
403 cccxlvij
404 cccxlviij
405 cccxlix
406 cccl
407 cccli
408 ccclij
409 cccliij
410 cccliiij
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Von mancherlei wunderbaren
vorab der ſchmertz. dann es ſeind vyl nach großem ſchmertzen/ lam vnnd
blind/ vnd vyl mehr gar ſchwach worden.
Doch ſeind des gemüts begirden
auff zwen weg größer/ dieweil ſie an dem fürnemerẽ orth/ darzů vns nit al-
lein inn gegenwertiger welt/ ſonder auch zůkünfftiger bewegen.
es iſt auch
das vergangen vyl größer dann das gegenwürtig/ weil auch das zůkünff-
tig mit keinem zil begriffen/ iſt es faſt vnendtlich.
dann wañ einer das Po-
dagra gehebt/ oder an gleichen kranck geweſen/ wann der ſchmertzen hin-
weg/ vergeth alles ſo böß geweſen.
es gedenckt auch der leib nit mehr an vor
ghende kranckheit.
Wann aber yemand ſeinen brůder oder würdigkeit ver
leürt/ gedenckt er an vergangne wollüſt/ vnd weil er in zůkünfftigem deßẽ
alle zeit manglet/ kümmert er ſich alle zeit/ vnd iſt jm diſer jamer langwü-
rig/ als wann er gantz gegenwürtig.
Deßhalben ſeind des gemüts wollüſtẽ
vnd ſchmertzen vyl größer dann des leibs/ vñ ſo vyl mehr/ daß diſe (wie ge-
ſagt) von des gemüts krefften mögen hinderhalten werden/ des gemüts a-
ber von dem leib keins wegs nit.
Du ſagſt aber/ es iſt noch ein zweifel hie/ dañ bey den Epicureren/ ſo jre
fröud inn diſer welt ſůchen/ iſt vergangener glückſeligkeit gedechtnuß ein
beſonderer wolluſt/ vnd vergangner jamer ein ſchmertz.
Doch glaubt man
gemeinlich das widerſpil/ wie auch der Poet ſpricht/
O lieben freünd wir leiden not/
Gott mag ſolchs enden frü vnd ſpodt. vnd bald harnach/
Es wirt auch etwan nutzlich ſein/
Wann wir gedencken vergangner pein.
Alſo habend diſe ein zwifachen troſt/ wann ſie gedencken des großen ver
gangnen jamers/ vnd was nun gegenwürtig oder zůkünfftig iſt/ alſo daß
gantz lieblich an vergangenen jamer gedencken.
Darumb můß man diſe
vnd die vorghende frag etwas vnderſcheidẽ.
dañ wie des gemüts begirden
größer (wie angezeigt) dann des leibs/ ſeind doch ettlich alſo eines dollen
verſtands vnnd weichen leibs/ darzů mit wollüſten vnd freuden überſchüt
tet/ daß in ſollichen der leib mehr dann das gemüt vermag.
alſo in Scythie
ren vnnd Thracen auß ihrem groben verſtand/ auch in den Indieren von
wegen ihres überfluß.
Der geſtalt iſt auch die gedechtnuß deß jamers/
wann etwas wollüſt darmit lauffend/ als nammlich durchreißen der lan-
den/ oder der mannheit/ als in einem ſchiff bruch/ krieg/ flucht auß der ge-
fencknuß/ gantz angenem/ wann es aber anders beſchicht/ iſt die gedecht-
nuß traurig.
Alſo hargegen/ wann man an die wollüſt gedencket/ ſo mit tu
geten erlãget/ oder noch etwas von ſelbigen überbliben/ oder biß an gegen
wertige zeit fürbracht/ oder bey anderen wollüſten iſt/ oder on vnſer ſchuld
geendet/ mag billich vnder die frölichen begirden gezellet werden.
Wann
aber der jamer biß inn gegenwertige zeit (welches allein noch vorhanden)
ſich erſtrecket/ vnnd doch ein theil der ſelbigen durch vnſer dapfferkeit ſich
geendet/ würt ihr gedechtnuß mit fröud vnd leyd vermiſchet ſein/ vnd ſol-
liches ſey geredt von dem end der zůfälen.
Der anfang aber deren zůkunfft iſt allwegen des handels natur geleich.
dann wann vonn dem glück har vns etwas gůtes begegnet/ fröuwend wir
vns.
oder wann ſolliches auß vnſerem fleyß beſchehen/ würt die fröud zwi-
fach.
Alſo wann der jamer von jm ſelbs kom̃en/ trauren vñ beweinẽ wir vn
ſeren ſtath.
wañ es aber auß vnſer ſchuld beſchicht/ wirt der jamer zwifach.

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