Bernstein, Aaron, Naturwissenschaftliche Volksbücher, Bd. 6/11, 1897

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72678 abwendet, man den Eindruck nicht ſofort verliert, ſondern eine
ganze Weile das Licht im Auge hat.
Man nennt dies die
“Nachempfindung”.
Es geht mit dem Ohr ebenſo. Wenn man
in einer ſehr langdauernden und rauſchenden Oper geweſen iſt,
ſo hört man unwillkürlich oft noch mehrere Stunden nachher in
der tiefſten Stille ein Nachtönen derſelben.
— In belagerten
Feſtungen, wo man während des Tages viel hat ſchießen hören,
glaubt man auch in der ruhigſten Nacht noch immer Kanonen-
ſchläge zu vernehmen.
— All dies ſind Nachwirkungen der
Erregung der Sinnesnerven, wobei die Einbildung gar keine
Rolle zu ſpielen braucht, wie man ſich am beſten bei der
Nachwirkung eines ſtarken Lichtes im Auge hiervon über-
zeugen kann.
— Es ſcheint nun, daß jede Vorſtellung, jeder
Gedanke auch im Hirn ſolch eine Nachwirkung hinterläßt, wo-
durch Vorſtellung und Gedanke im Gehirn längere Zeit ver-
weilen, wenn man auch inzwiſchen andere Vorſtellungen und
Gedanken gehegt hat.
Schon die einfachſte Geſchichte, die ein Kind begreift, ſetzt
voraus, daß beim Ende derſelben der Anfang nicht vergeſſen
worden iſt.
Es gehört alſo ſchon ein Gedächtnis dazu, um
nur eine kleine Geſchichte in ihrem Zuſammenhang zu begreifen.
Äußerſt merkwürdig iſt es nun, wahrzunehmen, wie junge
Kinder ſich oft aufs lebhafteſte für ein ſolches Geſchichtchen
intereſſieren und nicht Ruhe laſſen, bis man’s ihnen nochmals
und wiederholt erzählt hat.
Es iſt dies ein Beweis, daß ſie
auch wirklich den Zuſammenhang begriffen haben.
Allein
fragt man ſie über die Einzelnheiten, ſo merkt man, daß ſie
dieſe nicht klar wiſſen.
Ihr Gehirn hat alſo einen Geſamt-
Eindruck aufgefaßt, während ſich ihnen die Einzelnheiten nicht
eingeprägt haben.
Oft aber iſt es auch umgekehrt der Fall. Auch Erwach-
ſene nehmen oft von einem Buche, einem Gemälde, einem
Theaterſtück, das ſie ganz wohl verſtanden haben, nicht

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