Bernstein, Aaron, Naturwissenschaftliche Volksbücher, Bd. 6/11, 1897

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72880 ja man hat Fälle gehabt, wo Menſchen im reifen Alter
während des Fiebers oder eines krankhaften Halbſchlummers
lateiniſche und griechiſche Brocken aus der Schulzeit her-
plauderten, die ſie notoriſch längſt verſchwitzt hatten.
Nerven-
ſchwache Frauenzimmer, die nicht ſelten zu vielen Schwindeleien
mißbraucht werden, ſagen während ihres kranken Halb-
ſchlummers hochtrabende Reden und halbe Predigten her, die
ihnen im Gedächtnis geblieben ſind, und führen ſo zum Staunen
der Leichtgläubigen eine ſogenannte höhere, edlere Sprache,
deren ſie ſonſt nicht fähig zu ſein ſcheinen.
Bei der Unkenntnis der Gehirnthätigkeit während des
Denkens läßt ſich freilich vom Gedächtnis wie von dem Er-
innerungsvermögen wenig Aufklärendes ſagen.
Nur die eine
Thatſache ſteht feſt, daß auch ganz junge Kinder eine ſolche
Fülle von Dingen im Gedächtnis haben, daß ein Menſchen-
leben nicht ausreichen würde, ſie alle genau aufzuzählen.
Der
Erwachſene trägt eine Welt von Vorſtellungen, Gedanken und
Bildern im Kopfe herum und beſitzt eine Sammlung von
fertigen Wahrnehmungen im Gehirn, die ihn, ſo lange er die-
ſelben nicht braucht, gar nicht geniert, die aber ſofort bei Ge-
legenheiten in ſo reicher Fülle in Erinnerung treten, daß man
deren Zahl eine für unſere Begriffe unendlich große nennen muß.
XXVI. Wie ſich das Gehirn beſinnt.
Sehr nahe verwandt mit dem Gedächtnis und der Er-
innerung iſt die Fähigkeit des Geiſtes, ſich auf etwas Ver-
geſſenes zu beſinnen;
es iſt dieſe Fähigkeit nur ein höherer
Grad von beiden, zu dem noch ein Drittes hinzukommen muß.
Das Gedächtnis iſt, wie wir geſehen haben, das

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